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Die Herzschrittmacher vom Hause Maranatha

Wer sagt denn, dass wir den Spaß am Leben verloren haben? Musik belebt und hält jung - bis ins hohe Alter. Hier einige Impressionen

„Die Herzschrittmacher“ aus Heddesbach

und „Die Landratten“ aus Roxheim-Bobenheim entern die MS Europa

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hier eine Bildfolge über die Ereignisse des Tages


 

„Die Herzschrittmacher“ aus Heddesbach

und „Die Landratten“ aus Roxheim-Bobenheim entern die MS Europa

 

Im Hause Maranatha in Heddesbach, mit 17 Heimbewohnern dem kleinsten Pflegeheim im Rhein-Neckar-Kreis, geht alles seinen gewohnten Gang. Hier leben Pflegebedürftige mit allen Pflegestufen. Seit Jahren gilt in unserem Hause der Grundsatz: „Ein Mensch existiert nicht – er lebt“. Das stellen unsere Pflegebedürftigen täglich unter Beweis. Mit Unterstützung des Pflegepersonals gehören umfangreiche Freizeitaktivitäten zur Tagesgestaltung, auch wenn diese nicht mit dem Heimentgelt finanziert werden. Schließlich gehören wir ja nicht zum „alten Eisen“.

 

Eine unserer Leidenschaften ist die Musik. Mit Hingabe erschallen unsere Stimmen, ob das im Gottesdienst ist oder an den Nachmittagen, wenn der Chef seine Gitarre auspackt, um mit uns zu musizieren. So war für das Jahr 2013 als besonderes Erlebnis eine Neckarfahrt geplant. Nicht etwa nur mit den fitten Bewohnern des Hauses. Niemand sollte ausgeschlossen werden. Wer nicht im Bett liegen muss und auf einem Stuhl sitzen kann, der kann auch im Bus und auf dem Schiff sein.

 

Es begann im Juni 2013 im Kurpark von Bad Münster am Stein. Vier Shantychöre waren zu einem ganztägigen Kurkonzert geladen. Es war ein sonniger Frühsommertag und viele Gäste waren gekommen, sie zu hören. Der Heimleiter, ein begeisterter Sänger, ließ sich das Ereignis nicht entgehen. Die „Landratten“ beeindruckten dabei am meisten mit ihren kernigen Stimmen und der hervorragenden Kombination mit Akkordeon, Gitarren und Mundharmonika.

 

Wieder zu Hause, auf einer der üblichen Einkaufsfahrten, kam ihm auf dem Rückweg die zündende Idee.

 

Wir machen mit unseren Heimbewohnern eine Neckarfahrt mit dem Shantychor.

 

Wo passt ein Shantychor mit seinen Liedern besser hin, als auf ein Schiff? Zu Hause angekommen, hänge ich mich ans Telefon. Bald ist ein gemeinsamer Termin gefunden, der 6. Oktober 2013. Zuerst wollten wir ein Doppelereignis hieraus machen – einen Flashmob auf dem Marktplatz in Heidelberg verbunden mit der Neckarfahrt. Der Ausweichplan für schlechtes Wetter wurde gleich mit geplant. Dann geht es eben nur auf’s Schiff. Und so kam es auch! Aber keine Sorge, der Flashmob ist nicht gestorben! Es gibt ja noch ein Jahr 2014, vielleicht wird’s dann ja was damit.

 

Viel musste organisiert werden. Mit einem Reisebus ist es wohl nichts mit Rollstuhlfahrern. Also eine andere Variante. Ein Niederflurbus musste her. Beim Busunternehmen Rothermel aus Gras-Ellenbach wurden wir fündig. Schließlich darf ja nicht jeder alles machen. Dieses Unternehmen hat aber die Lizenz für solche Aktionen. Auch ist nicht jedes Schiff geeignet, Pflegebedürftige problemlos an Bord zu nehmen. Auf dem Schiff mussten Plätze reserviert werden, die Anfahrt zum Anleger musste so erfolgen, dass unsere Pflegebedürftigen nicht zu lange zu laufen hatten. Wir hatten das Privileg, direkt vor den Anleger fahren zu dürfen. Die „Weiße Flotte Heidelberg“ machte es möglich! Hier stehen für solche außergewöhnlichen Anlässe zwei Schiffe zur Verfügung, die „Europa“ und „Alt Heidelberg“.

 

Unser großer Tag ist gekommen. Regen! Also schnell die „Landratten“ informieren, dass es direkt auf’s Schiff geht, den Busfahrer, dass er eine Stunde später kommen kann. Und dann nur noch warten. Endlich ist unser Bus da. Alles strömt zur Haltestelle und dann nichts wie hinein. Bereits hier zeigt sich das Verständnis für unsere pflegebedürftigen Bewohner. Der Busfahrer hilft fleißig mit die vielen Rollstühle so einzuparken, dass niemand sich quetschen muss. Unsere Fahrt beginnt. Im Nu sind wir in Heidelberg, fahren ans Schiff und auf geht’s. Der Busfahrer hilft wieder beim Aussteigen und die Mitarbeiter der „Weißen Flotte Heidelberg beim Transfer aufs Schiff. Schnell holen sie eine Rampe herbei, damit selbst die eine Stufe bequem überwunden werden kann. Sie haben bereits liebevoll die Tische eingedeckt und bald hat mit Unterstützung des Schiffs- und Pflegepersonals ein jeder seinen Platz gefunden.

 

Bunt gestreut haben sich die Sänger der „Landratten“ mit unseren „Herzschrittmachern“. Es kommen noch etliche andere Gäste an Bord. Als unsere „Europa“ ablegt, sind wohl über 200 Gäste an Bord. Sogleich versorgt die Crew unsere Bewohner mit Kaffee und Kuchen und Stille kehrt ein. Mir wurde schon angekündigt, dass andere Gäste vielleicht ihre Ruhe haben wollten und wir dann unseren Gesang einstellen müssten. Also wurden die anderen Gäste aufgeklärt, wer wir sind, was wir tun. Niemand hat sich beschwert – im Gegenteil! Die anderen Gäste fanden die Idee sehr gut.

 

Es dauerte nicht lange und das ganze Schiff war ein Konzertsaal, in dem jeder mitmachte.

Wie sehr Musik Menschen verändert, kann man an den Bildern sehen, die im Anhang beigefügt werden. Wieder einmal zeigte sich, dass unsere Pflegebedürftigen in eine andere, freudige Welt eintauchten und sich offensichtlich darin wohl fühlten. Es braucht nicht viel, Menschen glücklich zu machen! Die 1 ½ Stunden Fahrzeit nach Neckarsteinach waren schneller um, als wir uns vorstellen konnten.

 

Wir hätten so noch einmal 1 ½ Stunden weitermachen können. Doch alles Schöne geht einmal zu Ende. Die „Landratten“ gingen als Erste von Bord. Aber sie waren nicht weg. Nach ihnen gingen die anderen Passagiere. Wir waren die Letzten, die mit Wehmut von der „Europa“ gingen. Am Kai stand der Chor der „Landratten“ und sang uns noch aus voller Brust einige Abschiedslieder. In dieser kurzen Zeit gab es eine solche Verbundenheit, dass sie uns nicht allein den Berg hinauf gehen ließen zur Bushaltestelle. Nein, sie packten mit an und halfen, dass alle unbeschadet oben ankamen.

 

Um Pflege menschlich zu gestalten, brauchen wir keine hochtrabenden Programme, sondern einfach nur den Mut, Mensch zu sein. Ein Auge füreinander zu haben.

 

Altenpflege in Deutschland ist geprägt von Skandalnachrichten und Horrormeldungen, die Angst und Schrecken verbreiten. Was sind das nur für Scheusale, die sich Pflegekräfte nennen?

 

Aber ist das Altenpflege? Wir sagen: NEIN!

 

Das Haus Maranatha will mit diesem Bericht zeigen, dass Pflege mehr ist, als undankbare Arbeit, Stress und Überforderung von Pflegekräften. Altenpflege ist mehr als Menschen in ihren Betten dahinsiechen zu lassen. Wir wollen Mut machen, es uns gleich zu tun und die Würde des Menschen wieder auferstehen zu lassen.

 

Wir brauchen nur etwas Zeit dafür.

 

Hier ist die Politik gefragt, den Pflegekräften diese Zeit zur Verfügung zu stellen! Mit 153 Minuten tägliche Pflegezeit, die Pflegekassen und Sozialhilfeträger  dem Pflegebedürftigen in Pflegestufe 3 zubilligen und bezahlen ist das natürlich nicht zu machen. Dazu braucht es mehr. Mehr Zeit für Zuwendung! Im Hause Maranatha gibt es bereits dieses zusätzliche Personal. Aber es ist traurig, dass auch hier immer noch rd. 40 % der geleisteten Arbeit ohne Entgelt zu erbringen ist. Die Politik ist bis heute nicht bereit, Pflegekräften ihren gerechten Lohn für ihre harte Arbeit zu gewähren, schon gar nicht die erforderliche Zeit.

 

Die Förderung der Ausbildung von Pflegekräften ist wohl richtig, auch die vereinfachte Zulassung von Pflegekräften aus dem Ausland,

 

doch können sie nicht die fehlende Zeit für Zuwendung ersetzen.

 

Was die Pflege in Deutschland braucht, ist eine faire Vergütung der Pflegekräfte und die Aufhebung der antiquierten Personalschlüssel, die Pflegekräfte ausbluten und ihren geliebten Beruf aufgeben lassen, weil sie nicht mehr können. Hier würde es bereits einen Riesenschritt bedeuten, würden die Personalschlüssel an die Zeiten angepasst, die ein Pflegebedürftiger benötigt, um überhaupt die Kriterien der jeweiligen Pflegestufe zu erfüllen.

 

Nein, das kostet kein Vermögen! Schon mit der Anpassung des Beitrags der Pflegeversicherung um 0,5 % und der Zweckbindung dieses Geldes für die Finanzierung des notwendigen zusätzlichen Pflegepersonals könnte dieses Ziel erreicht werden!

 

Wenn unsere Neckarfahrt einen Widerhall in Deutschland findet bei den Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und jenen, die vielleicht bald in diese Lage geraten, wenn Sie, liebe Leser sich dafür einsetzen, hat eine menschenwürdige Pflege in der Zukunft auch in Deutschland eine Chance.

 

Wir tragen unseren Teil dazu bei – und Sie?

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